Keine Lust auf Sex- was kann ich tun? (Teil 1)

Diese Frage wird mir in Beratungen immer wieder gestellt, deshalb mache ich sie hier gleich einmal zum Thema. Es gibt natürlich kein Patentrezept, denn sexuelle Lustgefühle lassen sich bekanntlich nicht ein- und ausschalten. (Wenn es so wäre, müssten wir ja nur den richtigen Schalter finden…doch diese Suche bringt mit Sicherheit nicht den gewünschten Erfolg und bewirkt meist sogar eher das Gegenteil)

Was können Sie also tun?

  • Zuerst einmal ganz wichtig: sich (und Ihrem Partner/Ihrer Partnerin) keine Vorwürfe und keinen Druck machen

Es ist absolut normal und kommt durchaus häufig vor, keine Lust auf Sex zu haben. Man hat als Beziehungspartner keinen „Anspruch“ auf Sex in der Beziehung, jeder gehört sich selbst, niemand darf über den Körper des anderen gegen seinen Willen verfügen. Druck erzeugt Gegendruck oder bewirkt noch mehr Rückzug, irgendwann entsteht daraus ein Teufelskreis, in dem sich meist ein Partner als der Fordernde und der andere als der Verweigernde erlebt.

Gehen Sie mit sich um, als wären Sie Ihre beste Freundin/ Ihr bester Freund. Bestimmt würden Sie ihr oder ihm verständnisvoll begegnen und einfach da sein.

  • Sich Wissen aneignen, wie Lust entsteht, was sie fördert und was sie bremst

Die Grundeinstellung und das eigene Verhalten in Bezug auf Sexualität und Lust bekommt man sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Wie Eltern, Familie und das nähere Umfeld dazu stehen und selbst damit umgehen, nimmt ein Kind als gegeben hin und orientiert sich auch selbst daran. Lernen am Vorbild heißt das in der Pädagogik. Aber es ist mehr als das, nicht nur aktives Lernen, sondern auch Spüren und vor allem Verinnerlichen. 

Emily Nagoski, die sich intensiv mit „Wellness Education“ am Smith College in Northampton befasst und mehrere Bücher geschrieben hat, vergleicht unsere innere Welt mit einem Garten: Sie kommen auf die Welt und finden in ihrem Umfeld bereits bestimmte Gegebenheiten vor, wie zB. die Bodenbeschaffenheit, Klima, Witterung, Licht und Schatten. Nachdem Sie noch zu klein sind, um Ihren Garten selbst zu pflegen, wird das vorerst von Ihrer Familie für Sie erledigt. Und was denken Sie, wie wird dieser Garten nun bestellt? Ja, genau- meist ähnlich, wie die eigenen Gärten Ihrer Eltern und sonstigen Bezugspersonen aussehen, sie kennen es ja nicht anders. Sie pflanzen also vermutlich die gleichen Pflanzen und kümmern sich in gleicher Weise darum.

Doch, Sie ahnen es vermutlich bereits, was für Ihre Angehörigen richtig und passend erschien, muss nicht zwangsläufig auch für Sie selbst stimmen. Vielleicht brauchen Ihre Pflanzen auf Ihrem speziellen Boden mehr Wasser oder mehr Licht oder manche passen überhaupt nicht hinein. Dann müssen Sie also nun Ihren Garten selbst bestellen. Das bedeutet, ihn sich erst einmal genauer anzuschauen und eventuell neu zu gestalten. Das kann auch bedeuten, dass Sie so manches „Unkraut“ ausreißen müssen, um etwas Neues, Passenderes einzusetzen, das dann gerade am Anfang vermutlich besondere Pflege braucht.

Verstehen Sie, was Emily Nagoski damit sagen will?

Mein erster Tipp für sie, wenn Sie sich mit sexueller Lustlosigkeit befassen wollen, lautet also: machen Sie zuerst einmal Inventur. Erforschen Sie ihren Garten, vergleichen Sie ihn mit jenen aus Ihrer Kindheit und in Ihrem Umfeld und überlegen Sie, wie ihr Wunschgarten aussehen könnte.

  • Was soll bleiben, wie es ist?
  • Was soll weg?
  • Was soll dazu kommen?

Buchtipp: Emily Nagoski: „Komm, wie du willst!”

In meinen nächsten beiden Blogbeiträgen zum Thema erzähle ich Ihnen etwas über die Entstehung und Hemmung von Lust, also über ihre “sexuelle Bremse” und ihr “sexuelles Gaspedal”, um es bildhaft auszudrücken.

Ich würde mich sehr über Kommentare freuen und wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie mich gern!

 

 

Keine Lust auf Sex- was kann ich tun? (Teil 1)

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